Nach meiner Ankündigung und der offensichtlich verbreiteten Ansicht „der Erle hat den garantiert schon“ ist meine Mailbox vor Anfragen geplatzt. Bitteschön, da ist er, der Test des HTC Touch Diamond. Und selten hat mir einer so viel Spass gemacht!
Der Kollege Samaschke schreibt es ja schon: Im Vergleich zum iPhone 1.x hat HTC einen meilenweiten Vorsprung herausgearbeitet. Und genau dieser Vergleich führt zu einer Menge an Diskussionen: Warum wird immer wieder das iPhone als Masstab herangezogen? Auch ich selbst, der eigentlich immer die Meinung vertritt, man solle Äpfel nicht mit Birnen vergleichen, hatte ja im November 2007 dem Druck nachgegeben und einen Vergleich Windows Mobile/iPhone geschrieben… mit dem Ergebnis, dass funktional WM überlegen ist, haptisch/vom Bedienkomfort her aber das iPhone durchaus seine Stärken hat.
Aus meiner Sicht zeigt sich hier eine eklatante Schwäche der Windows Mobile-Plattform. Keine funktionale, sondern eine der Außendarstellung: Apple als Hersteller des Endgerätes und gleichzeitiger Entwickler des Betriebssystemes wirbt in eigener Sache und aus eigenem Interesse für die Geräte. Wer Printmedien, Fernsehen und das Internet auch nur sporadisch als Informationsquelle verwendet, der hat keine Chance, das iPhone nicht zu kennen.
Microsoft auf der anderen Seite leidet an seiner eigenen Rolle als reiner „Softwarelieferant“. Was im Zusammenhang mit PCs eher unproblematisch ist, wird der mobilen Plattform zum Verhängnis: Die Netzbetreiber bzw. Hersteller passen die „Basis-Version“ von Windows Mobile an die Geräte an, und dann läuft ein Gerät in einen Lebenszyklus wie ein jedes Mobiltelefon: Es wird auf der Webseite gelistet, in den Geschäften verkauft, beworben wird aber die Kernkompetenz: Das Netz. Und in der Summe (und ob der geringen Margen der Hardware, die quasi nur als Vehikel für die Erzeugung von Netz-Volumen eingesetzt wird) ist es dem Netzbetreiber – zumindest scheint es so – herzlich egal, mit welchem Endgerät der Endkunde telefoniert oder surft. Ja sogar im Gegenteil: je „standardisierter“ ein Telefon ist, desto einfacher ist der Support: „Kennt man ein Nokia, dann kennt man alle.“
Was viele aber nicht beachten: Das iPhone ist trotz seines Hypes nicht der Megaseller geworden: Die Bindung an T-Mobile, das verschrobene Tarifmodell, die Unwilligkeit von Apple, das Gerät zu öffnen, all das hat die Laune der potentiellen Anwender gehörig verhagelt. Dazu noch die allgemeine Konsumschwäche genommen spricht jeder darüber, nur wenige aber nutzen es.
Mit dem HTC Touch Diamond ist endlich einmal ein Gerät auf dem Markt, dass innovativ ist, das schick und leistungsfähig zugleich ist. Auch wenn sich der Windows Mobile- oder gar Microsoft-Hasser schwer vom Gegenteil überzeugen lassen wird, der Otto-Normalverbraucher mit einer durchschnittlichen Technik-Affinität wäre begeistert … wenn er davon wüsste.
Liebe Microsoft-Marketing-Strategen: tut was! Schaltet Anzeigen, dreht Werbeclips, bombardiert die nach Perfektion lechzende Mitwelt mit der Nachricht, dass es Alternativen zum iPhone gibt und das auch die mobile Version von Windows Komfort und Bedienspass bietet!
Juli 2, 2008 um 9:31 |
Japp, Du hast den Finger direkt in die Wunde gelegt: Microsofts große Stärke als Plattformlieferant wird hier zur größten Schwäche, weil eben jeder sein Süppchen kocht. Dabei müssten die Redmonder im Grunde nur ein eigenes Gerät auf den Markt bringen (natürlich nicht das preiswerteste, sonst würden die Mitbewerber heulen) und das entsprechend pushen – schon gäbe es einen Schwung für die komplette Plattform.
Machen sie aber nicht, stattdessen gibt es diese trostlose Windows Mobile-Print- und Online-Werbung, die einfach langweilig ist und selbst die Zielgruppe (Business- und Poweruser) komplett links liegen lässt. Dann muss man sich halt auch nicht wundern, wenn es nix wird, mit der mobilen Weltherrschaft.
Andererseits: Siehe Zune. Mehr muss man da gar nicht mehr sagen. Manchmal steht einem auch das eigene Image im Weg. Aber gerade Zune wäre DIE Plattform, um auf Basis von WM 7 ein eigenes echtes Mobile-Device auf den Markt zu bringen: Musik, Video, Telefonie, Daten. Entsprechend positioniert könnte man Apple bequem angreifen und würde dennoch dem „normalen“ Windows Mobile-Markt nicht weh tun.
Machen sie aber nicht. Und das haben wir dann davon: Dröge, langweilige Geräte (siehe die ganzen Asus- und HP-Devices), die den letzten Rest an gutem Image ordentlich in die Tonne treten.
Urteile ich zu schlecht?